Der Hovawart

 

- ein persönliches Rassebild

 

Der Rassestandard

 

Für jede der 346 Rassen, die international zZt. von der FCI betreut werden, gibt es einen Rassestandard, d.h. ein Regelwerk an Merkmalen, welche ein Hund der jeweiligen Rasse besitzen muss, um  dem anzustrebenden Ideal zu entsprechen, dem  FCI-Rassestandard

 

Am FCI-Standard Nr. 190 wird ein Hovawart im Phänotyp (äußere Merkmale wie Gebäude, Gangwerk etc.) auf nationalen und internationalen Ausstellungen gemessen und bewertet. 

 

 

Exterieur und Formwertnoten 

 

Auf einer Ausstellung CAC (national) oder CACIB (international) wird ein Hund in seiner äußeren Erscheinung beurteilt, dem Exterieur. Die Beurteilung erfolgt in s.g. Formwertnoten. Ein ausgebildeter im VDH und in der FCI zugelassener Richter bewertet, wie nahe der ausgestellte Hund dem Rassestandard kommt: Ein „vorzüglich"(V) ist die beste Note, „sehr gut" (sg) die zweitbeste und dann ein „gut"(g), befriedigend oder „genügend" (gng).

 

Vorzüglich oder sehr gut in der richterlichen Bewertung braucht ein Hovawart, um in der HZD zur Zucht zugelassen zu werden.

 

 

Das ,,Interieur"

 

Für die das Wesen und Verhalten ist der jeweilige Zuchtverein, also in diesem Falle die HZD zuständig. 

In der HZD sind es die Verhaltensüberprüfungen II und III sowie die Körung, die ein Hund im Verhalten prüfen und bewerten. Die Prüfungen Verhalten III und Körung sind notwendig für eine Zulassung zur Zucht.  

 

 

Die Genetik 

 

Gute Beurteilungen eines Hundes auf Ausstellungen bedeuten nicht,  dass die Nachkommen z.B. eines Champions automatisch dieselben Bewertungen erhalten, denn es wird nur das Exterieur, also das äußerlich Sichtbare beurteilt.

 

Sichtbar hingegen ist nicht das genetische Potenzial eines Tieres, d.h. wie es sich weiter vererbt. Denn Letzteres setzt  sich aus dem gesamten Genpool der Rasse immer wieder neu in jedem einzelnen Nachkommen zusammen. 

Für einen Zuchtverein, Züchter und Besitzer lassen sich aber aus den Beurteilungen möglichst vieler Nachkommen Rückschlüsse auf die Vererbung der Elterntiere ziehen. 

 

Möglichst viele Nachkommen auf Zuchtprüfungen zu sehen und zu prüfen ist für den weiteren Zuchteinsatz der Elterntiere jedoch enorm wichtig! 

 

 

 

 


Der Charakter des Hovawarts 

 

 

 

 

Für uns persönlich

 

ist der Hovawart kein Spezialist – wobei es auch ausgesprochene Talente gibt – sondern ein genetisch perfektes Gesamtpaket aus vielseitigen Anlagen.

  • Er ist kein geborener Hofhund! Denn bei mangelnder Anregung oder Beschäftigung kann er durchaus mal „stiften gehen". 
  • Er ist kein genetisch perfekter Therapiehund, denn er braucht für die möglichst frühe Entwicklung entsprechender Anlagen, deren frühzeitige Förderung und Ausbildung das Pendant dazu: Ausgleichssport und vielseitige Abwechslung.
  • Er ist kein geborener Sporthund, der nur auf sein Training wartet, denn er braucht sein seelisches Gleichgewicht, d.h. die psycho-soziale Einbindung in die Familie und unbeschwerte Bewegungsfreiheit im Spiel und Spaß. 
  • Er ist auch kein geborener Familienhund, denn bei mangels Einbindung oder körperlicher und mentaler Aufgaben kann er auch kräftemäßig übertreiben und in der Beschaffung von „Aufgaben", die auch aus seinen Anlagen stammen, durchaus kreativ werden. 
  • Er ist auch kein lebenslanger Champion inmitten seiner Pokale, die er tagtäglich blank putzt.  

Für uns ist der Hovawart aber ein perfekter Allrounder, der ein entsprechendes Zuhause und Leben braucht. 



 

Zur Interpretationen des Rassestandards 

 

 

 

 

 

Willkommen im 21. Jahrhundert 

 

 

Einige Menschen, die heute eine Alarmanlage zum Schutz ihrer Familie und Habe zu brauchen glauben, folgen einer Rückbesinnung auf die natürliche Variante: Die Haltung eines Hovawarts. 

 

Die reine Zweckhaltung als Hofwächter ist allerdings kritisch zu beleuchten: Wer heutzutage einen Hovawart erwirbt, kauft ein seit mittlerweile Jahrzehnten als Familienhund gezüchtetes, geprägtes und aufgezogenes Tier.  

 

Genetisch wie auch durch die Aufzucht ist der Welpe des 21. Jahrhunderts innerhalb der FCI an eine enge Einbindung in das Familienleben gewöhnt. 

 

Diese sozial ausgerichtete Aufzucht ist nach den Erkenntnissen in Forschung und Wissenschaft wie aber auch aufgrund der geltenden Gesetzeslage und des Versicherungsrechts als unabdingbar zu betrachten! 

 

 

 

 

Wissen statt Nostalgie 

 

Der ,,alte Schlag", der ,,ursprüngliche Typ", mit solchen Bezeichnungen lassen sich Erinnerungen an den einstigen Hovawarttyp erhalten. Markige Werbesprüche erwecken im Hovawart-Interessenten auch heute noch die Sehnsucht nach ,,der guten alten Zeit". 

 

Doch was verbirgt sich hinter dem ,,ursprünglichen Typ"? Natürlich hat der Hovawart eine Zuchtgeschichte, die auch oder gerade in früheren Zeiten nicht immer nur zu seinem Wohle geriet!  

 

Hovawarte wurden früher außerhalb der menschlichen Behausung gezüchtet und aufgezogen. Das durch solche Aufzuchts- und Haltungsbedingungen geprägte Sozialverhalten wäre in der heutigen Zeit nicht mehr zu vertreten. Hovawarte dieser Art würden - wie im 5. bis Mitte des 20. Jhdts. - allenfalls noch auf entlegenen Höfen gehalten werden können, aber ungeeignet für unsere dicht besiedelte Gesellschaft sein.

 

Unterschiedliche Aufzucht- und Haltungsbedingungen erbrachten früher einen anderen Typ Hovawart. Nach heutigen Maßstäben kann er nicht mehr den Platz einnehmen, den er einstmals hatte: Die Lebensbedingungen des ,,Urtyps" entsprechen weder heutigen gesellschaftlichen Bedingungen, gesundheitlichen oder gesetzlichen Anforderungen, noch dem Wissensstand.

 

 

Was ist aus dem Urtyp geworden? 

 

Nicht umsonst wurden Hovawarte aufgrund ihrer Fähigkeiten und hohen Einsatzbereitschaft im 2. Weltkrieg als ,,Kriegshelfer" genutzt. In der DDR dienten sie bis 1989 ohne menschliche Anbindung als lebenslange Grenzschutzhunde in Reihen-Kettenhaltung. 

 

Bereits kurz nach dem 2. Weltkrieg wurden die Zuchtziele des Hovawarts verändert. 1948 wurde der Rassezuchtverein für Hovawart-Hunde e.V. (RZV) gegründet. Aus dem ,,Grenzschutzhund" und ,,Hofwächter" von einst wurde der Hovawart in Anlehnung an den klassischen Schäferhundsport zum Schutzhund im Hundesport. Auf diese Weise wurden die seinerzeitigen Anlagen kanalisiert und sportlich genutzt. 1964, nach langen Jahren der Vorarbeiten, wurde der Hovawart auf Antrag des RZV, damals alleiniger Vertreter der Rasse im VDH als 7. Gebrauchshunderasse in der FCI anerkannt. 

 

Der Gesundheitszustand sowie die neue, nun sportliche  Ausrichtung der Zucht des Hovawarts in den Fünfzigerjahren gab in Hovawart-Kreisen vielfältig Anlass zu Kritik. Es gründeten sich in Folge weitere, konkurrierende Vereine mit veränderten Zuchtzielen: Die einen tendierten zum ,,Urtyp Hofhund" ohne enge Vorgaben im Aussehen. Die anderen favorisierten den Begleiter und Familienhund in weiser Voraussicht auf die sich verändernde Gesellschaft in Friedenszeiten, wie die Vorläufervereine der heutigen HZD und des HC. 

 

In der heutigen Zeit unterschieden sich die drei größten deutschen VDH-Hovawart-Zuchtvereine HZD, RZV und HC in allenfalls in einigen ihrer Zuchtrichtlinien, aber alle drei züchten einen Familienhund. 

 

 

 

 

Moderne Nostalgie 

 

 

Es mag heute durchaus nostalgisch, ganz besonders unwissende, vielleicht auch besonders geschäftstüchtige Züchter geben, die ihre Zucht unter sehr nostalgischen Gesichtspunkten führen und damit auch den einen oder anderen Rasse-Interessenten anwerben. Welpen werden z.B. wieder in Stall oder Hütte auf Stroh geboren und wachsen teils im großen Rudel außerhalb der Wohnstätte auf. Menschliche Zuwendung zum einzelnen Welpen ist durch diese Haltung nur begrenzt möglich. Ein auf diese Weise aufwachsender Welpe ist in seinem Rudel aufgewachsen und wird es bei der Umsiedelung schmerzlich vermissen, weil er seine soziale Sicherheit verliert, die ihm der neue Mensch kaum mehr geben kann. 

 

Diese Haltung entspricht nicht dem heutigen Wissens- und Haltungsstandard! Sie passt ins Reich der Nostalgie,  verbietet sich aber in Hinsicht auf die Zuchtziele der FCI- angeschlossenen Hovawart-Zuchtvereine. Ein auf Stroh im Stall oder Schuppen, im Keller oder im Nebeneingang aufwachsender Wurf ist nicht zeitgemäß: die spätere Wohnstätte im Haus, das hohe Bindungspotenzial zum Menschen, das geltende Tierschutzgesetz sowie die Erkenntnisse der Kynologie (Hundeforschung) verweisen diese Haltung und Aufzucht in den Bereich früher Historie und nicht akzeptabel in Hinsicht auf die frühe Prägung auf den Menschen und das heutige Lebensumfeld: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr! 

 

Eine Welpenaufzucht im Stroh ist nicht zuletzt durch die heutige Pestizid-Belastung aus gesundheitlichen und hygienischen Gründen abzulehnen. Oder fragen Sie als möglicher Welpeninteressent nach Bio-Stroh mit Siegel oder stellen eine Kiste mit Stroh im Eingangsbereich auf? 

 

 

Was Hänschen nicht lernt...

  

Die wichtigste Prägezeit auf das Leben eines Hovawarts findet zwischen der 4. und 14. Woche seines Lebens statt. 

 

Die früh erlebten Sinneseindrücke erwecken die genetischen Anlagen und prägen die Grundstruktur des Gehirns. Umlernen ist nur bedingt möglich. Was in dieser elementaren Zeit nicht aktiviert wird - ist irreversibel, d.h. nicht nachholbar! Umzulernen ist nur begrenzt möglich, nicht mehr grundsätzlich. 

 

 

Der FCI-Rassestandard und die Realität 

 

 

„Seine harmonisch abgestimmten körperlichen Verhältnisse und eine besondere Bindung an seine Familie machen ihn insbesondere zu einem hervorragenden Begleit-, Wach-, Schutz-, Rettungs- und Fährtenhund."

 

Der Rassestandard ist sprachlich so formuliert, dass sich jeder Interessent die für ihn wichtige Eigenschaft „herauspicken " könnte – wenn er das Wörtchen „und" überliest. 

 

Übersehen wird manchmal, dass der Hovawart alles zugleich in einem ist: in gleichen Teilen Schutz- und hervorragender Familienhund. Auf Vielseitigkeit ist er gezüchtet. Die heutige Familie ist allerdings durchaus durch Verwandtschaft, enge Freunde und Nachbarn erweitert.

 

Lieferdienste und Handwerker und Bekannte gehören nicht unbedingt zur engsten Familie. In der Regel steht hier der Wachhund parat. 

 

 

 

Sozialpartner und Führung

 

Der Hovawart ist ein mobiler Sozialpartner, der auf Wegen, im Dunklen oder beim nächtlichen Window-Shopping auf Sie aufpasst. Je ängstlicher sie sind, desto kritischer und wachsamer ist er. Je ausgeglichener Sie sind, desto gelassener ist Ihr Partner – der trotzdem in jeder gefährlichen Situation sekundenschnell einsatzbereit ist. Auch ein wesensstarker, ausgeglichener und völlig familienfreundlicher Hovawart ist ein exzellenter Beschützer, wenn es darauf ankommt.  

 

Toleranz und Gelassenheit im Hund brauchen eine dem entsprechende menschliche Persönlichkeit.  Im Wesen ängstliche und unsichere Menschen sind als Verantwortliche für einen Hovawart eher ungeeignet - der Hovawart passt sich an: Er übernimmt mehr und mehr die Verantwortung für seinen Menschen. Er kann eine hervorragende Führungsfigur werden und gleicht die Schwächen seiner Hundeführer aus – nicht ganz ungefährlich in der heutigen Zeit! 

 

 

 

 

Mobile Sicherung und Verteidigung

 

Der Hovawart bewacht heute standardgemäß nach wie vor den „Hof", den bloß kaum einer mehr hat. 

 

In Ermangelung eines ausgedehnten offenen Hofes bewacht er stattdessen den Gartenzaun rundum, den Kellereingang, den Briefkasten, das Zelt, das Wohnmobil, den Eingang zum Supermarkt, das Auto, das Hotelzimmer, das Fahrrad am Ständer vor dem Supermarkt etc., denn wir Menschen sind mobil geworden und mit uns unsere Rasse Hovawart. 

 

Unsere Lebensbedingungen in der heutigen Zeit - selbst auf dem Land - sind mehr auf Sicherung als auf Verteidigung ausgerichtet. Der Hovawart ist ein mobiler Wachhund – seine Hova ist heutzutage dort, wo er und wo sein Mensch ist. 

 

Der Hovawart bewacht sowohl den Hauseingang als auch das Baby im Kinderwagen, auch die Bank, auf der Sie sitzen und seinen Platz in der Öffentlichkeit, auf dem er gerade liegt. Auch das Badelaken am Strand ist seine „Hova, die er „wartet", also bewacht. Er bewacht auch das badende Kind und schützt es vor Jugendlichen, die zufällig in seiner Nähe Ball spielen. 

 

Und wer nun meint, dem ursprünglichen Hovawart ein tolles Zuhause in Form eines offenen Hofes mit Stall bieten zu können, kommt ein paar Jahrzehnte zu spät! Schon seit Jahrzehnten ist er als Familienhund gezüchtet und braucht eine enge Einbindung an seine menschliche Familie. 

 

 

 Raue Schale, tiefe Seele 

 

 

Seine hohe soziale Kompetenz und Nähe zu seinen Menschen machen den Hovawart als Familienhund einerseits verteidigungsbereit im Ernstfall, andererseits aber auch sensibel gegenüber grundlegenden Stimmungen, familiären Konflikten oder längeren Leidensstrecken im Leben seiner Menschen: Denn der robuste und allseits präsente, wehrhafte Hofwächter ist innerlich auch ein Sensibelchen und leidet mit. 

  

Der Hovawart braucht in einer für ihn sehr belastenden Zeit Möglichkeiten, sein empfundenes Leid auszupowern oder abzuarbeiten, sonst ist er im Laufe der Zeit genau so anfällig für Autoimmunerkrankungen wie ein Mensch. 

 

Wer tief empfinden kann, schützt sich auch gegen seelische Verletzungen - bis der Körper sich unter Umständen gegen sich selber richtet, wenn kein äußerer „Feind"  anzusteuern ist. 

Gesundheit heute 

 

Der Hovawart ist als kontrolliert gezüchtet Rasse durch seit 1949 nicht kränker geworden! Im Gegenteil: 

Der Fortschritt hält vor der Tiermedizin nicht an! In der Gesundheit hat die Tiermedizin in der letzten Jahren einen ungeheuren Zugewinn an Kenntnissen und Verfahren verzeichnet.

 

Die heutigen Diagnosemöglichkeiten lassen Erkrankungen nicht nur früher entdecken und diese auch frühzeitig behandeln, sondern moderne Technik kann Krankheiten früher benennen, die vormals z.B. einfach als Alterserscheinungen bezeichnet wurden. 

 

Operations- und Therapiemethoden sind ständig im Wandel und werden ebenso verbessert. Sie bieten allen Tieren, so auch den Hovawarten, ein längeres, schmerzfreies und gesünderes Leben als es noch vor 10 Jahren möglich war.

 

Aber dazu gehört immer auch der Mensch, der seinen Hund mit sensiblen Augen betrachtet und regelmäßige tierärztliche Checks in das Zusammenleben einbaut. 

 

Der Hovawart kann aber nur so gesund sein wie es Genetik, Futtermittel, Bewegungsmöglichkeiten, d.h. artgerechte und möglichst entspannte Haltung mit gelegentlichen Highlights an Stress erlauben.

 

Krankheit als Alarmsignal: 

Autoimmunarkrankungen

 

Eine Schilddrüsenunterfunktion infolge einer längeren Entzündung), aber auch Hauterkrankungen (wie z.B. Sebadentis) können auch als äußere „Alarmsignale" für unverarbeitete seelische Leiden ausbrechen.

 

In der vorbildlich geführten und öffentlich einsehbaren Gesundheitsdatenbank des Schweizer Hovawartclubs steht die SDU (Schilddrüsenunterfunktion) bereits an zweiter Stelle aller aktuell registrierten Erkrankungen.

 

Manche vermuten eine Erblichkeit, andere tendieren derzeit eher zum epigenetischen Faktor, also umwelt- und lebensbedingten Einflüssen. In der HZD wird ein Schilddrüsentest für alle Zuchttiere verlangt. 

 

Nichtsdestotrotz ist ein in der Regel intaktes Seelenleben in einem harmonischen Familienleben die beste Erziehungs- und Gesundheitsfürsorge für Mensch und Hund, egal ob Genetik oder Epigenetik. 

 


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Phila auf Working Dog
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