Zucht heißt Denken in Generationen

 

Gedanken zur Zucht

 

 

Durch gezielte Verpaarungen kann ein Züchter bestimmte Eigenschaften seines Zuchttieres für folgende Generationen verstärken, erhalten oder verdrängen. Gehen aus dieser Verpaarung wieder einige Tiere in die Zucht, kann ein Züchter somit den Werdegang einer Rasse beeinflussen.

 

Züchten, so heißt es, ist Denken in Generationen. Welche Anlagen sind für die nächste Generation Hovawarte wünschenswert?

 

Wir haben uns für 

  • Wesen 
  • Gesundheit
  • Rassestandard

entschieden. Alle drei hängen voneinander untrennbar ab, aber 

 

 

“Gene sind keine Autisten, sondern richten ihre Arbeitsweise fortwährend nach Signalen, die sie aus der Umwelt erhalten. Umwelterfahrungen und Lebensstile können nicht nur unser eigenes Schicksal, sondern sogar das unserer Kinder beeinflussen. Der Grund: Sie hinterlassen in unserem Erbgut einen Fingerabdruck, der langfristige Folgen für unsere seelische und körperliche Gesundheit haben kann." 


Prof. Joachim Bauer, Psychologie Heute

(Quelle: Peter Spork, Der zweite Code, Link zur Website)

 

 

 

 

Zuchtziel Wesen 

 

Warum ist uns aber das Wesen besonders wichtig, denn es ist doch, so könnte man widersprechen, bereits im Rassestandard enthalten? Weil wir unter Wesen mehr verstehen als im Rassestandard ausgeführt ist. 

 

 

Das Wesen und der Rassestandard

 

 

Als Wesensmerkmale werden im Rassestandard Ausgeglichenheit, Gutartigkeit, Schutztrieb, Selbstsicherheit, Belastbarkeit sowie mittleres Temperament aufgeführt. 

Nun könnte man als Leser davon ausgehen, dass jeder Hovawart in einem VDH-Zuchtverein genau diese Wesensmerkmale besitzt und an die nächste Generation auch weitergibt. 

 

Schön, wenn es immer so wäre. Da der Hovawart aber eng mit seinen Menschen zusammenlebt, wird er im Laufe der Jahre diejenigen Merkmale verstärken, die im Zusammenleben erforderlich und erfolgreich sind. Andere werden u.U. weniger oder nicht entwickelt. Es hängt also vom Menschen ab, inwieweit welche Wesensmerkmale ausgeprägt werden, nämlich diejenigen, mit denen bereits der Welpen und Junghund aus seiner Sicht erfolgreich ist.  

 

Der Rassestandard legt nur fest, welche Merkmale im Idealfall vorhanden sind. D.h., je weiter sich der Hund diesen annähert, desto besser ist seine Bewertung bei der richterlichen Bewertung, aber nicht zwangsläufig auch im Alltag. 

 

 

Die Aufzucht und der Rassestandard

 

Um wirklich einen wesenssicheren Hovawart zu haben, sind mehrere Einflussfaktoren wesentlich: 

 

1. Die Mutterhündin und der Vater

2. Der Züchter 

3. Der Besitzer 

 

Es hängt nicht nur vom Menschen ab, welches Wesen der Hund zeigt. Auch Wesen und Verhalten der Mutterhündin sind wesentliche Faktoren in der Entwicklung der Welpen und damit maßgeblich für das spätere Verhalten in der neuen Umwelt: Bereits während der Trächtigkeit werden die Welpen u.a. durch die Stressregulation der Mutterhündin geprägt. Auch Geburt und Versorgung der Welpen sind hochgradig erblich und werden immer wieder aufs Neue an die Folgegenerationen weitergegeben. 

 

Zeitfenster 

 

Nach der Welpenabgabe übernimmt der neue Besitzer ein bereits geprägtes Wesen, das nun in seinem Leben weitere Prägungen erhält. Im Idealfall können ausgeglichene Menschen nun nahtlos an das vorherige positive und sichere Bindungsschema zur Mutterhündin und zum Züchter andocken. Unsichere und gestresste Welpenbesitzer als Kontrast erwecken andere Mechanismen im Welpen, um den Herausforderungen zu begegnen. 

 

Zwischen der 4. und 14. Woche liegt die wichtigste Prägezeit. Weder der Züchter noch der Welpenkäufer hat also viel Zeit für elementare Entwicklungen der Welpen, die für das spätere Leben bestimmend sind. 

 

Wesensfestigkeit ist für uns das A und O in der Zucht, denn ein Leben in unserer heutigen Gesellschaft stellt hohe Anforderungen an unsere Vierbeiner, insbesondere an unsere Hofwächter: 

  • Das Zuchtziel Langlebigkeit ohne Wesensfestigkeit macht wenig Sinn, denn die Gesundheit wird durch Stress belastet,  
  • Schönheit ohne Belastbarkeit kann eine größere Herausforderung im Alltag sein, 
  • Schutztrieb gepaart mit einem unausgeglichenen, gar ängstlichem Wesen oder einer gesundheitlichen Belastung kann zu schwierigen Lebenslagen im Alltag führen, 
  • Die Wachhundeigenschaft  in Kombination mit geringer Wesensfestigkeit ist besonders für Familien eine brisante Mischung.

 

 

 

Zuchtziel Gesundheit 

 

 

Keine Rasse überlebt langfristig, wenn sich Erbkrankheiten eingeschlichen haben, die vernünftig denkende Menschen vom Kauf eines Welpen abhalten. Gibt es keine Nachfrage, kann der Züchter nicht weiter züchten.

 

 

Gesundheit als höchstes Zuchtziel 

 

So ist die seelische und körperliche Gesundheit unser allerhöchstes Zuchtziel und die einzige Möglichkeit, um eine Rasse langfristig zu erhalten. Aber ohne ein sicheres Wesen kann die Gesundheit nicht lange standhalten. 

 

Seit 1922 werden Hovawarte als Rasse gezüchtet. In kurzer Zeit wird diese Rasse 100 Jahre alt.

 

Durch gezielte Verpaarungen vererben Hovawarte wie alle Lebewesen wünschenswerte, aber auch weniger günstige Gene und damit kritische Anlagen. 

 

Warum gilt die Rasse Hovawart auch heute noch als überdurchschnittlich gesund?

 

Die Antwort ist einfach: Alle VDH-Zuchtvereine sind bemüht und entwickelten seit Gründung ihrer Vereine strenge und auf Gesundheit ausgerichtete Regelwerke, unter deren Bedingungen gezüchtet werde darf. Diese  sind aufgrund von Analysen des Gesundheitszustands der Zuchttiere entstanden und werden nach Bedarf der kritisch geprüften Realität und den Bedürfnissen angepasst.

 

Weiterhin: 

 

1. Im Rassestandard ist keine Formulierung erkennbar, die auf eine unnatürliche oder übertriebene Ausprägung körperlicher Merkmale hinweist. Alle Merkmale sind auf einen gesunden Körperbau ausgerichtet. 

 

2. Alle Zuchttiere müssen in allen VDH Zuchtvereinen ihre Gesundheit nachweisen. In der HZD sind es: 

  • Prüfung des Körperbaus und der äußeren Erscheinung (Fell, Zähne, Ohren, Haut, Gangwerk etc) im Rahmen von Zuchtveranstaltungen
  • tierärztliche Untersuchungen (Röntgen auf HD sowie durch zu wiederholende Blutuntersuchungen auf Schilddrüsenerkrankungen und einmalig auf Degenerative Myelopathie 
  • Prüfung der Gesundheitsstatus der Mutterhündin während der Aufzucht sowie aller im Haushalt lebenden Hunde durch die Zuchtwartin. 

 

3. Die drei Hovawart-Zuchtvereine im VDH prüfen bei jeder Verpaarung die möglichen Risiken für alle bekannten Erkrankungen und erteilen entweder eine Erlaubnis oder nicht. Alle Züchter müssen einen einen Deckschein beantragen, d.h. die Erlaubnis der Zuchtleitung ihres Vereins für eine Verpaarung einholen. 

 

Ohne Deckschein kein Wurf. 

 

 

 

Genetik und Epigenetik

 

Dank des wissenschaftlichen Fortschritts wissen wir heute, dass nicht allein die Genetik zu beachten ist: Durch das neue Forschungsgebiet der Epigenetik wissen wir, dass Gene nur als Rohmaterial vorhanden sind. Bereits im frühem Embryonalstadium werden sie durch s.g. „Schalter" aktiviert – oder bleiben deaktiviert, wenn keine Stimulatoren vorhanden sind. Die Volksweisheit „Was Hänschen nicht lernt..." kommt hier zum Tragen. 

 

Vererbt werden dem entsprechend die epigenetisch aktualisierten, d.h. die durch das Leben veränderten Gene – und gewährleisten somit eine Anpassung an die sich verändernden Lebensbedingungen. Als Bild vorstellbar ist eine ständige Aktualisierung der eigenen Gen-Datenbank, um bessere Chancen für nachfolgende Generationen zu ermöglichen. 

 

Dass diese Veränderungen wieder an die nächsten Generationen weitervererbt werden, ist bewiesen. Über den Link kommen Sie direkt auf die Seite „Zuchtziel“ und zu weiteren Informationen über die Epigenetik.

 

 

Zuchtziel: Die Anlagen

 

 

 

Die äußerlichen Anlagen 

 

 

Fell, Größe, Statur, Rute, Kopf, Farbe etc machen den sichtbaren Teil des Hovawarts aus und stechen als Erstes ins Auge des Betrachters: Er ist soooo schön!  

 

Möchten Sie ein „Krönchen auf dem Haupt“ in Form eines Pokals oder einer Urkunde, können wir Ihnen keine Garantie geben. Championzucht ist weder die Norm bei den Hovawarten noch unser Zuchtziel. 

 

Wir können Ihnen aber versichern, dass wir den normalen, bildschönen Hovawart nach dem internationalen FCI-Rassestandard züchten, also einen, der Ihr ganz persönlicher „Champion“ wird. 

 

Wichtig für uns wäre aber  - und freuen würden uns auch sehr –  wenn unsere Welpenkäufer ihren Hund in der HZD oder beim VDH vorstellen würden, damit wir wissen, ob wir mit Phila und ihrem Deckrüden die Zuchtziele  Rassestandard, Gesundheit und Anlagen erreichen konnten. Ein Krönchen wird es nicht garantiert geben, aber einen detaillierten Bericht und eine Urkunde und mit Glück vielleicht auch eine Platzierung. 

 

Ganz sicher können Sie allerdings sein, dass wir alle Däumchen drücken und Ihnen zur Seite stehen. 

 

 

Die inneren Anlagen 

 

sind diejenigen Wesensanlagen, mit denen wir tagtäglich leben, diese fordern, fördern und ausbauen, indem wir mit ihnen arbeiten. Diese stehen im Zentrum des täglichen Lebens und gehören deshalb unseren drei obersten Zuchtzielen. 

 

Das Problem für uns und jeden anderen Züchter ist, dass es in diesem Fall von Ihnen als Welpenkäufer abhängt,

 

a) diese inneren Anlagen nach der Übernahme auch weiter zu entwickeln 

 

b) die inneren und äußeren Anlagen auch in einer Zuchtveranstaltung unseres Zuchtvereins offiziell überprüfen zu lassen, damit wir den Genotyp unserer Zuchttiere einschätzen können, nämlich das, was unsere Zuchttiere tatsächlich vererben!

 

Allein diese Prüfungen können den Genotyp, also das genetische Erbe erkennbar machen. Wohlgemerkt: bei Mutter wie auch Vater des Wurfes. 

 

Die Züchter haben es in der Hand, die äußeren und inneren Anlagen geschickt mit den gesundheitlichen Daten zu kombinieren.

 

Die Welpenkäufer haben es in der Hand, diese Anlagen zu entwickeln und die erfolgreiche Zucht nachzuweisen.

 

Wenn Sie uns hierin unterstützen, erfahren wir und unser Zuchtverein,

  • ob und inwieweit die Zuchtziele erreicht werden,
  • ob sich beide Paarungspartner gut ergänzen konnten und
  • was unsere Zuchttiere tatsächlich vererben. 

 

Die Zuchtplanung steht in Buchstaben auf Papier, die Realität werden die ersten Begutachtungen zeigen, wie gut unsere Zuchthunde wirklich sind. 

Ohne „Papiere"

Mein erster Hovawart war Jimmy von Ellinghausen, Rufname Digger. So imposant er auch ausschaut, so schön wie er war, so gern ich ihn auch hatte -  Digger war kein einfacher Lebensbegleiter. Aber er war für mich mein Bester!

 

Sein Charakter war

noch nicht gefestigt,

als ich ihn mit zweieinhalb Jahren übernahm.

 

Er war auch nicht

optimal aufgezogen, wenig erzogen und nicht optimal geprägt und somit auch nicht umfassend anpassungsfähig,aber er war mein Lehrmeister in Sachen Hovawart! 

 

 

 

 

Bereits wenige Tage nach der Geburt wird ein Wurf von unserer Zuchtwartin kontrolliert, ob alle Welpen sowie die Mutterhündin in Ordnung sind.

Auch die Zuchtstätte und die im Haushalt lebenden Tiere werden noch einmal kritisch begutachtet.

 

 

Philas Gangwerk ist leichtfüßig. Ein guter und stabiler Körperbau ist die Grundlage für uneingeschränkte und schmerzfreie Beweglichkeit und so ein wesentlicher Teil der Gesundheit.  

 

 

Schon ein Welpe lässt erahnen, was für ein ausdrucksvoller Charakter er einmal später als erwachsener Hovawart wird - Gesundheit vorausgesetzt. 

 

 

Ohne Plastik, aber mit viel Natur für die Welpen. Vielen unterschiedliche  Anregungen und Bewegungsanreize zur Prägung - so stellen wir uns unseren Welpengarten vor. Asterix von den Herrenhäuser Gärten hat nichts vermisst, er ist „natürlich" gut geprägt, vor allem durch seine Mutter und die Menschen.

Natürlich gab es mehr Aktionen im Welpengarten als hier sichtbar sind!

 

Auch wir sind am Planen und Basteln. Ein Wackelbrett ist bereits fertig! Aber die besonders fotogenen bunten Bälle werden sicherlich bei uns fehlen. Die darin enthaltenen Stoffe halten wir für nicht welpengeeignet. 

 

 

Erst wenige Stunden ist dieser Welpe alt und doch speichert sein Gehirn schon alles Neue in seiner Außenwelt ab. Es wird jetzt durch seine Umwelt „gezeichnet" und geprägt. 

 

 

Der Rassestandard

 

 

 

Der Phänotyp -

die äußeren Erscheinung 

 

Gemessen am Rassestandard wird alles auf einer Ausstellung, was sichtbar ist: Augen, Ohren, Hals, Rücken, Rute, Fell, Winkelung, Läufe, Gangwerk  und  Menschenfreundlichkeit - lässt er sich anfassen? Ja. Yaspar lässt sich überall anfassen. Er bleibt immer gelassen. 

 

Danach gibt es eine Platzierung der vorgeführten Hunde und abschließend einen Richterbericht. Mit Glück wird auch mal ein Pokal für den besten Hund auf Platz 1 in jeder Klasse gewonnen. 

 

 

Gesundheit 

 

Ein gesunder Hovawart bewegt sich viel und gerne: Er springt, dreht sich, rast, sprintet, schlägt Haken, wendet noch in der Kurve.  

 

Eigentlich ist er stabil gebaut.

 

Gerade junge Hovawarte sind sehr ungestüm, rempeln und überschlagen sich. Viele Bewegungen stärken die Knorpel in den Gelenken und sind in jedem Alter wichtig - aber nicht alle Bewegungen, wie z.B. Steilsprünge. Sie sind hochgradig gefährlich: Eine falsche Drehung und...

Leider haben wir einen Yaspar-Nachkommen auf diese Weise in jungen Jahren verloren. 

 

 

Wesen 

 

Eine gute Prägung auf Kinder erleichtert das Leben ungemein. Yaspar ist völlig gelassen und liebt Kinder in allen Größen und Altersstufen. Phila hat ihre „Kinderprüfung" auch schon hinter sich. 

 

 

 

 

Zwei Generationen

 

Yaspar mit seiner „Tochter" Alba (Alberta von den Herrenhäuser Gärten). Sehr ähnlich sieht sie ihm, auch bei Philas Ähnlichkeit zu Alba ist sehr deutlich.  . 

 

Auch im Wesen hat Alba viel von ihm, mehr als Phila. Doch dazu mehr und später in einem Kapitel, das zurzeit noch in der Planung ist. 

 

 

Drei Generationen

 

Eine Schwarze und drei Blonde: Von rechts nach links: Yaspar, Yaspar-Enkel Ayko, Tochter Alba mit zwei ihrer Kinder Ayko und die schwarze „Hexe" Alina in Greven 2018. 

 

Jule (Afra von den Herrenhäuser Gärten) 

 

N-Wurf Palacowe Pieknoski 2012 mit Philas Mutter Nelli. 

Wir haben im Laufe der Jahre noch vieles gelernt, aber es konnte nicht für ein völlig entspanntes Leben reichen –  trotz einer bestandenen DVG-Begleithundprüfung.

 

Dennoch hatten wir eine wunderbare Zeit, eben dort, wo nicht viele Menschen waren. Einige hat er geliebt, andere aber nicht. So war er 10 Jahre unseres gemeinsamen Lebens mit mir häufig allein unterwegs.

 

Wie oft habe ich in der Anfangszeit fachlichen Rat gebraucht und auch bekommen, damals beim Hovawart Club (HC). Ich wurde Mitglied und profitierte viel von Fachwissen des HC. 

 

Digger ist 12,5 Jahre alt geworden. Wir haben lange um ihn getrauert. Durch ihn habe ich die Rasse Hovawart lieben gelernt. Er war unglaublich treu, liebte mich über alles und begleitete mich durch ganz Europa. Nach seinem Tod hätten wir gerne einen neuen Hovawart, damals aus dem HC genommen, aber es gab keine Welpen. So kamen wir zur HZD. 




Das Leben ist vielseitig und spannend – auf geht's! 

 

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Phila auf Working Dog
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